Welchen Einfluss hat ein künstliches Hüftgelenk auf mein Gehverhalten? (Prof.Dr.Thorsten Gehrke)

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Prof.Dr.Thorsten Gehrke:

Welchen Einfluss hat ein künstliches Hüftgelenk auf mein Gehverhalten?

Das ist eine relativ schwierige Frage. Hat das künstliche Hüftgelenk Einfluss auf das Gehverhalten. Das hängt von ganz unterschiedlichen Faktoren ab. Grundsätzlich muss man sagen, ein künstliches Hüftgelenk ist etwas künstliches und etwas unnatürliches, d.h. man verändert etwas und man verändert ganz sicher auch das Muskelspiel zueinander der hüftumgebenen Muskulatur. Wie ausgeprägt diese Veränderung ist, das liegt wahrscheinlich an der Kunst des Operateurs. Der versierte Operateur, der ein künstliches Gelenk einsetzt, ohne viele wichtige Strukturen, die das Hüftgelenk
umgeben,bewegen ,schützen zu zerstören, der wird in aller Regel mit seinem künstlichen Hüftgelenk wieder ein annähernd normales Gehverhalten erzeugen.
Insgesamt hängt auch dieses Gehverhalten ganz sicher vom Zugang zu diesem Hüftgelenk ab. Wie gehen wir in das Gelenk hinein? Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, wenn das das Hüftgelenk ist, dann kann man einmal von Hinten an das Gelenk heran gehen, man kann von Vorne an das Gelenk heran gehen, man kann dann ganz weit Vorne an das Gelenk heran gehen. All diese unterschiedlichen Zugänge haben Vor- und Nachteile. Es gibt aber auch Zugänge, die eher für das Gehverhalten z.B. eher mehr Nachteile haben, dazu zählt z.B. ein Zugang, den man früher häufiger , heute nicht mehr so, verwendet hat, der durch einen ganz wichtigen Muskel geht. Da muss man einen Muskel, den ich als Motor der Hüfte bezeichnen würde, zumindest nicht durchtrennen, aber spalten, um an das Gelenk heranzukommen. Und da kommt es dann sehr häufig zu einem veränderten Gehverhalten. Aber die Kunst des guten Operateurs ist eben wieder ein annähernd natürliches und normales Gehverhalten durch seine Operationstechnik zu erzielen. Nicht nur die Operationstechnik, dazu zählen auch andere Dinge, z.B. schaffe ich es das Bein in der Länge wieder auszugleichen, schaffe ich es bestimmte biomechanische, ganz wichtige Voraussetzungen in diesem krankhaft veränderten Gelenk wieder herzustellen. All das ist eben etwas, was den erfahrenen guten Operateur auszeichnet und der damit dann eben ein nicht normales aber annähernd normales Gehverhalten herstellen kann.
Übrigens ist es auch so, dass der Patient selbst dazu beitragen kann wieder ein annähernd natürliches Gehverhalten nach so einer Operation aufzuweisen, indem er z.B. schon vor der Operation gut trainiert, so gut wie möglich in eine Operation hineingeht, so dass sich möglichst nur über einen kurzen Zeitraum ein unnatürliches Gehverhalten einschleifen kann. Also bis zum Schluss seine Muskulatur immer in Schuss halten, zu versuchen normal zu gehen, das führt dazu, dass man auch nach der Operation wieder besser geht als andere. Und selbstverständlich ist der Patient, der dann nach der Operation auch aktiv an sich arbeitet, seine Muskeln trainiert, der wieder bestimmte Sportarten aufnimmt, wie Fahrrad fahren, wie Schwimmen, wie Nordic Walking, eher in der Lage natürlich zu gehen als andere, die das eben nicht tun.