Hüftprothesen: Welche Arten gibt es?

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Hüftprothesen: Welche Arten gibt es?

Dr. med Martin Rinio:

Wir unterscheiden bei der Hüftendoprothetik zunächst einmal anhand der Verankerungstechnik zwischen zementiert und zementfrei, wobei zementiert hier teilweise falsche Eindrücke entstehen lässt. Es handelt sich nicht um einen Werkstoff, der mit dem klassischen Zement verwandt ist, sondern um einen schnell härtenden Kunststoff, der wie ein Füllstoff fungiert und letztendlich die Prothese im Knochen festhält. Zementfrei braucht diesen Werkstoff nicht, dabei wird die Prothese mit der sogenannten Pressfitverankerungstechnik in den Knochen hinein gesteckt. Die Pressfitverankerung funktioniert so, dass die Prothese etwas größer ist als die Lücke im Knochen, so dass die wunderbar dort hineinklemmen kann und sich letztendlich dadurch stabil verankert. In einem zweiten Schritt kommt es dann zum Einheilen des Knochens in dieser Prothese. Deshalb sind diese Prothesen an ihrer Oberfläche alle rau gestaltet, so dass dort der Knochen genügend Angriffsfläche findet, diese Prothese dauerhaft und stabil zu verankern.

Ich kann Ihnen hier die unterschiedliche Oberflächenbeschaffenheit von zementfreien Prothesen auch noch einmal an diesem Beispiel erläutern. Sie sehen in dem oberen Anteil eine sehr raue Oberfläche. Diese ist eine spezielle Titanoberfläche, die sich sehr gut eignet, um dem Knochen hier genügend Angriffsfläche zu bieten, dass er hier einheilen kann und die Prothese dauerhaft verankert. Während dieser untere Anteil, glatt poliert ist. Dieser hat letztlich nur die Funktion die Prothese im Knochen zu zentrieren, ohne dass es später hier zu einer Verankerung kommt.

Im Prinzip sind alle Prothesensysteme aufgebaut wie ein Baukasten. Wir können sozusagen zwischen verschiedenen Variationen entscheiden. Ausgehend von diesem Schafft, der im Knochen verankert wird, haben wir die Möglichkeit verschiedene Köpfe aufzusetzen. Diese können beispielsweise aus Keramik sein mit einem kleinen Durchmesser oder aus Keramik mit einem etwas größeren Durchmesser. Des Weiteren gibt es die Möglichkeit auch Metallköpfe zu verwenden. Auf der Seite der Hüftpfanne wird eine Metallschale im Knochen verankert. Auch hier gibt es unterschiedliche Modellvariationen, wie zum Beispiel diese, die außen sehr rau gestaltet ist, oder die andere, die etwas feiner ist, dafür aber etwas dickwandiger. In diese Pfannen können dann unterschiedliche Einsätze eingebracht werden, wie dieser keramische Einsatz, der einfach eingelegt wird, oder ein metallischer Einsatz oder ein Einsatz aus Kunststoff. Dies ermöglicht unterschiedliche Variationen an Gleitpaarungen mit unterschiedlichen Eigenschaften.

Hier haben wir beispielsweise eine sogenannte rein keramische Gleitpaarung, in dem wir diesen Schafft mit diesen Aufsteckkopf versorgen und das Gelenk so zusammenfügen, dass dies die neue Gleitpaarung ergibt. Sie sehen hier sehr schön, welche Bewegungsmöglichkeiten sich hieraus ergeben. Welche dieser Gleitpaarung für Sie die Richtige ist, darüber wird Sie Ihr behandelnder Arzt gerne beraten und wird gemeinsam mit Ihnen, die für Sie geeignete Lösung finden.

Unabhängig von der Verankerungstechnik sind wir heute in der Lage Ihnen eine Vielzahl von Implantate anzubieten, so dass wir eine ganz individuelle, auf die Bedürfnisse des Patienten zugeschnittene Versorgung durchführen können. Beispielsweise bei jungen Patienten gibt es einen Trend, das erkrankte Gelenk nur zu überkronen mit einer sogenannten Kappenprothese. Des Weiteren eignet sich hier auch eine sogenannte Kurzschafftprothese zu verwenden. Bei diesem Prothesenmodell ist es so, dass praktisch nur der erkrankte Hüftkopf entfernt wird und Teile des Schenkelhalses noch erhalten bleiben, was insbesondere – falls diese Prothese einmal gewechselt werden muss – noch genügend Knochen zur Verfügung lässt, auch ein neues Implantat wieder sicher verankern zu können.

Ein Designmerkmal all dieser Prothesen ist es, dass die Krafteinleitung und die Verbindung mit dem Knochen sehr nah am Hüftgelenk erfolgt. Gibt es hier Knochendefekte, beispielsweise in einer Wechselsituation, wo eine Prothese getauscht werden muss, so können wir über diesen Schafft hinaus noch längere Schäffte einbauen, die dann die Stabilität von weiter unten im Knochen sich holen und gewährleisten können.